Willkommen in Seligenstadt, liebe Flüchtlinge

In der vergangenen Woche kamen hier die ersten Flüchtlinge an. Die Stadt Seligenstadt hat auf dem ehemaligen Gelände meiner Grundschule ein nagelneues Flüchtlingswohnheim errichtet. Es sieht wirklich super schön aus, zudem wurde noch eine hübsche Grünanlage errichtet. Sollten die ersten neuen Anwohner bereits im Mai schon ankommen hat sich das ganze wohl etwas verzögert.

fussball
Fussball geht immer

Als ich also letzten Donnerstag sah, dass die ersten Flüchtlinge bereits eingetroffen waren, sind wir (Ben und ich) direkt mal hin um „Hallo“ zu sagen. Strahlende Gesichter und ein fröhlicher kleiner Junge begrüßten uns sehr herzlich. Insgesamt sind vier Eritreer und eine albanische Familie bereits untergekommen. Man hat diesen Menschen echt angesehen wie glücklich sie sind hier untergekommen zu sein. Ben ist gleich mit dem kleinen Jungen herum gerannt und hat mit ihm gespielt. Sprachliche Barrieren stellten kein Problem dar, Kinder verständigen sich irgendwie.

Der Albaner, der auch sehr gut italienisch spricht erzählte mir im gebrochenen Englisch, was er alles kann und er hofft, dass er hier Arbeit finden wird. Einer der Eritreer kam auch dazu und begrüßte mich mit einem festen Händedruck und strahlendem Lächeln. Das war ein toller Moment. Ich kann nicht verstehen, warum es Leute in Deutschland gibt, die sich nicht trauen (oder es nicht wollen) auf diese Menschen offen zu zu gehen.

Daraufhin wurde spontan Fußball gespielt. Es wurde viel gelacht und Ben gesellte sich dazu und spielte mit. Es kickten auch noch andere Männer mit. Wie sich herausstellte waren es Mitglieder einer Familie, die ein leerstehendes Haus kauften und eine Grillparty machten. Der Zufall wollte es also, dass hier genug Mitspieler anwesend waren um spontan zu bolzen. Behelfsmäßig wurden mittels Steinen die „Tore“ abgesteckt, und selbstverständlich wurde es auch mal laut. Es war aber erst kurz nach 21 Uhr – also kein Problem.

Und dann passierte etwas, was mich trauig stimmte – mich aber gleichzeitig nicht verwunderte. Eine ältere Frau, die hier in der Nähe wohnt schüttelte nur abfällig mit dem Kopf als sie das Geschehen sah. Was ist daran so schlimm, wenn einer Gruppe Menschen Fußball spielt? Es handelt sich hier verkehrstechnisch um einen Wendehammer. Hier stört man niemanden, wenn man Fußball spielt. Waren es die Eritreer bzw. die insgesamt „exotisch“ aussehende Gruppe Menschen? Ich hoffe mal nicht. Vielleicht war es auch nur die spontane Fußballrunde. Aber auch das verstehe ich nicht. Wie auch immer – es schlug eine gewisse Abneigung den Leute entgegen. Sehr schade.

Später sagte ich zu Ben, dass diese Leute es nicht so gut hatten bzw. haben wie wir. Vieles erachten wir als selbstverständlich, und wir dürfen niemals vergessen, welche schlimme Zeiten diese Menschen hinter sich haben. Ich bin auf jeden Fall guter Dinge und freue mich auf die weiteren neuen Nachbarn, die bald 100 Meter weiter einziehen werden. 🙂

Ich werde natürlich weiter berichten.

6 Antworten auf „Willkommen in Seligenstadt, liebe Flüchtlinge“

  1. Super Sache,cool und gut zu wissen das es noch Menschen wie Dich gibt.Respekt!Mach weiter so.????????????

  2. Leute wie du sind der Grund wieso immer mehr dieser Wirtschaftsflüchtlinge meine Heimat überschwemmen.

    1. Vielen Dank für diesen völlig haltlosen Kommentar. Ein Musterbeispiel für Volksverdummung durch Rechtspopulismus.

    2. Weil es Menschen gibt, die Fußball mit Flüchtlingen spielen, „überschwemmen“ also immer mehr „Wirtschaftsflüchtlinge“ Deine(?) Heimat… soso. Merkst Du es eigentlich, was für einen unglaublichen Stumpfsinn Du da gerade von Dir gegeben hast? Mein Tipp: Plapper nicht nach, sondern bilde Dir Deine eigene Meinung. Übrigens mag ich meine Heimat auch nicht mit populistischen und unreflektierten Menschen teilen… 😉

  3. Super Sache, die Art und Weise wie du auf die Menschen zugegangen bist respektiere ich und ist der richtige Weg Brücken zu schlagen.

    Allerdings sollte man sich doch mal die Position beider Seiten anschauen. Nicht alle Menschen begrüßen die Flüchtlinge mit offenen Armen. Warum wird so vielen Menschen unwohl bei dem Gedanken, dass ein Flüchtlingswohnheim in ihrer Nähe gebaut werden soll?
    Ich persönlich werde nicht alle Menschen direkt als rechtspopulistische Idioten abstempeln nur weil sie an eine Integration der Flüchtlinge nicht glauben.
    Angst spielt hier einfach auch eine sehr große Rolle. Diese Menschen haben Angst, dass die Menschen, die auf einmal in ihrer Nachbarschaft auftauchen, ihnen etwas wegnehmen könnten. Angst, dass den Kindern etwas passieren könnte. Angst vor Kriminalität. Angst davor, dass diese Flüchtlinge das deutsche Recht missachten. Angst vor Parallelgesellschaften, die man ja Dank der gescheiterten Integrationspolitik der vergangenen Jahre nicht verleugnen kann. Und ich muss dazu ergänzen, ein Flüchtling aus Eritrea oder sonst woher, der in seinem Heimatland kriminell war wird das auf die schnelle hier nicht aufgeben. Klar nicht alle Flüchtlinge sind kriminell aber sie sind auch nicht alle Unschuldslämmer mit weißen Westen.

    Die Schere zwischen arm und reich ist enorm. Das merkt man schon bei den Deutschen untereinander. Die Flüchtlinge kommen meistens mit nichts hier an, haben alles verkauft, haben Erniedrigung, Missbrauch und andere Dinge über sich ergehen lassen um nach Europa zu gelangen. Viele sterben bei der waghalsigen Überfahrt im Mittelmeer. Und diejeingen die Glück hatten sind nun hier im Land von Porsche, Mercedes und BMW. Sehen Menschen, denen es gut geht. Sehen Leute, die glücklicher sind als sie es vielleicht je waren. Und ich hoffe sie sehen es als Ansporn, das auch zu erreichen. Sich wieder ein Leben auf zu bauen. Und sich zu Integrieren, dass zu schaffen woran die Politik gescheitert ist.

    Ich weiß nicht wie sich das in der Zukunft entwickelt und ich hoffe wirklich eher zum positiven. Ich denke man kann in meinem Beitrag auch etwas Angst heraus lesen, aber ich habe versucht so neutral zu bleiben wie möglich. Ich möchte diese Menschen nicht wieder zurück schicken in den sicheren Tod. Ich möchte, dass sie mit ihrer Kultur unsere bereichern. Aber bitte friedlich. Auf beiden Seiten.

    Mit freundlichen Grüßen
    Lactosefly

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